Institut für Ethno-Musik-Therapie

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Das Konzept
Grundlegendes zur Entwicklung der Altorientalischen Musiktherapie zur Ethno-Musiktherapie und zum "Kremser Modell"
Von Dr.Gerhard Tucek, Leiter des Instituts

Inhalt:

Hospital in Edirne

Historische Grundlagen und einführende Überlegungen zum Kulturtransfer:

Altorientalische Musiktherapie ist ein seit ca. 1000 Jahren dokumentiertes und praktisch bewährtes System mit - aus heutiger Sicht - therapeutischer, prophylaktischer und rehabilitativer Bedeutung.

Ihre Wurzeln gründen in der antiken griechischen Lehre vom "Ethos" in der Musik. Diese ging davon aus, dass von der Musik selbst eine "unmittelbare und reinigende Wirkung" auf Seele, Affekte und Charakter des Menschen ausgehe.

Im Vorderen Orient wurde dieser - bei Platon, Aristoteles und den späteren Neuplatonikern - noch wenig konkretisierte "musiktherapeutische" Gedanke aufgegriffen, und praktisch weiter ausdifferenziert.
Aus heutiger Sicht ist auch Augustinus als philosophisch, religiös- geistiges und kulturelles Bindeglied zwischen Orient und Okzident zu nennen.

Im Orient entwickelte sich ein neues Tonsystem - das "Makamsystem".

Islamische Gelehrte wie etwa Al-Kindi, Al-Farabi, Al-Rhasi, Avicenna, u.a. verknüpften die Anwendung dieses Musiksystems sowohl mit der Vorstellung eines engen Wechselspiels zwischen seelischen und körperlichen Prozessen, als auch mit dem Konzept der Humoralpathologie - der 4-Säfte-Lehre.

Nunmehr wurden ... "bestimmte Melodientypen, Rhythmen und sogar die vier Saiten der Laute mit bestimmten Körpersäften, Affekten, Primärqualitäten, Kardinaltugenden, Jahres- & Tageszeiten, Gestirnkonstellationen usw. in direkte Beziehung gesetzt und in vielfältigen Verknüpfungen zu ganzen Systemen zusammengefügt."... (zit. aus: Kümmel 1977, S.151)

Auf diesen Grundlagen stand Musiktherapie ab dem 9.Jh in den Spitälern des vorderen Orients im Rang einer regulären medizinischen Hilfsdisziplin.
Musik als hörbare musikalische Umsetzung des kosmischen Klanges, nährte sowohl die "Geistseele" wie auch den "materiellen Leib".
Ganz im Sinne einer "Affektenlehre" - entfaltete sie beim Hörer sowohl im "Vorderen Orient" wie auch im Okzident ihre emotionalisierende Wirkung durch die jeweils geläufigen Musikstile, Melodien und Gattungen.

Mit dem konzeptionellen Wechsel der Medizin von der Humoralpathologie zur Biomedizin verlor das historische Konzept der Musiktherapie im Orient für etwa 150 Jahre seine theoretischen Grundlagen und geriet auch praktisch in Vergessenheit.




Vergessen - Wiederbeleben - Integrieren:

Erhalten geblieben waren lediglich s.g. "Gedächtnis- oder Erinnerungsräume" als Orte "kollektiver Identität" wie z.B. Monumente, Bibliotheken etc.
Sobald keine lebenden Personen mehr persönliche über ihre Erfahrungen in Bezug auf historische Ereignisse berichten können, übernehmen Orte wie Museen und Archive identitätsstiftende Erinnerungsfunktionen.

Im Falle der Altorientalischen Musiktherapie ist ein derartiger Ort das historische Spital in Edirne.

In den 1980-iger Jahren griff in der Türkei der Psychologe Oruc Güvenc anhand rudimentärer historischer Quellen - nach einer mehr als einhundertfünfzigjährigen Vakanz - dieses alte musiktherapeutische Lehrsystem erstmals wieder praktisch auf.
Gemeinsam mit dem späteren Kulturwissenschaftler und Ethnologen Gerhard Tucek wurden seit 1986 auch in Europa in Form von Kursen erste Schritte zu einer praktischen Wiederbelebung unternommen.

1989 gründete Gerhard Tucek in Wien die "Schule für Altorientalische Musik- und Kunsttherapie" - damals weltweit die erste Ausbildungsstätte für die Musiktherapie des Orients.

Für die Altorientalische Musiktherapie stellte sich zu dieser Zeit die Frage, ob das heutige musiktherapeutische Verständnis mit jenem eines Orientalen im 8 Jh. übereinstimmt, oder zeitbedingter Adaptierungen bedarf?

In den ersten Jahren richteten sich die gemeinsamen Bemühungen - im Sinne eines "essentialistischen Kulturverständnisses" - vor allem darauf, die Altorientalische Musiktherapie als Tradition in idealtypischer Autochthonie und größtmöglicher "Reinheit" und "Unverfälschtheit" wieder herzustellen.

Schon bald erkannte Tucek die Notwendigkeit einer behutsamen Integration des nur rudimentär erhaltenen alten therapeutischen Lehrsystems in ein heutiges postmodernes Verständnis von Krankheit und Gesundheit (in Praxis, Forschung und Lehre) zu bringen.

 Vor dem Hintergrund der Tatsache, dass es für diese Therapieform keine lebenden Zeitzeugen, gab, kristallisierten sich im Prozessverlauf zwei unterschiedliche Denkmodelle heraus:

Während Güvenc weiterhin einem essentialistisch geprägten Denkmodell folgt, vertritt Tucek und seine Mitarbeiter heute ein "Hybriditätskonzept", welches Kulturen u.a. in permanenter wechselseitiger Durchdringung versteht (Bhabha; 2000).
Hierbei werden fixe Festschreibungen über Vergangenheit zugunsten einer prozessualen jeweils gegenwärtigen Neubewertung suspendiert.
Diese Position stellt ein für "alle Ewigkeit" festgeschriebenes Verständnis von "Tradition" radikal in Frage.

Hierzu ein konkretes Beispiel:
Galt Musiktherapie im Orient in früheren Jahrhunderten als medizinische Hilfsdisziplin, so wird Musiktherapie heute in Österreich in einem eigenen "Bundesgesetz" als "eigenständige, künstlerische und beziehungsorientierte Therapiemethode" interpretiert.

Wäre Tucek der Einhaltung einer historisch zwar verbürgten, aber nunmehr dem Arztberuf vorbehaltenen (humoral)medizinischen Diagnostik und Anwendung gefolgt, wären Altorientalische- bzw. Ethno-Musiktherapeuten mit dem strafrechtlichen Tatbestand der Kurpfuscherei in Konflikt geraten. Dies hätte zur Folge gehabt, dass dieser Therapieansatz die gesetzliche Anerkennung verwehrt geblieben wäre.

Dieses Beispiel veranschaulicht die Notwendigkeit, im Rahmen von Methodentransfers auf die jeweils geltenden kulturellen, sozialen und damit verbundenen legistischen Rahmenbedingungen konstruktiv einzugehen.

Angelehnt an Dittmanns Idee einer "Traditiologie" (2004) ist für die Altorientalische - bzw. Ethno-Musiktherapie heute nicht mehr eine verloren gegangene glorreiche Vergangenheit handlungsleitend, sondern die Idee, einer neu entstehenden Blütezeit.

Die Erfahrungen in Lehre und Praxis der Jahre bis 1999 führten Tucek zu folgenden Erkenntnissen:

1. Altorientalische Musiktherapie musste - da sie für sich transkulturelle Relevanz beanspruchen wollte - mittels unterschiedlicher Forschungsansätze im hiesigen klinischen Kontexten schlüssig überprüf- und nachvollziehbar werden. Dieser Weg wurde ab 1999 mit Gründung des Instituts für Ethno-Musiktherapie in Lehre, Praxis und Forschung konsequent verfolgt.

2. Jedes therapeutische Konzept ist Ausdruck jeweils gültiger kultureller, sozialer, institutioneller und individueller Werte, in denen es zur Anwendung kommt.
Dabei fließen moderne Erkenntnisse ebenso ein, wie historische Ideen.
Heute wissen wir etwa, dass das menschliche Gehirn nicht nur genetisch determiniert ist, sondern in gewissem Sinne auch ein "sozio- kulturelles Organ".

3. Demzufolge spielen kulturell und individuell geprägte Ideale und Vorstellungsbilder (des Musikers wie des Zuhörers) bei der Produktion und Rezeption von Musik eine wichtige Rolle.
Historische Wirkzuschreibungen orientalischer Modi können im Sinne obiger Überlegungen nicht direkt auf europäische Therapeuten und Patienten übertragen werden.

4. Im Falle eines kulturellen und zeitlichen Transfers, bedarf es der Bedachtnahme und gegebenenfalls Adaptation an die neuen Rahmenbedingungen.
Hierfür waren im Falle der Ethno-Musiktherapie neben der klinischen Forschung vor allem Perspektiven der Kultur- & Sozialanthropologie richtungsweisend.
Ähnlich wie der Wiener Ethnologe Manfred Kremser, entwickelte Tucek Perspektiven einer differenzierten Bezugnahme auf "universelle" (z.B. Musik ist Teil menschlich- kulturellen Erbes) sowie "partikulare" (z.B. kulturspezifische Hör- und Wahrnehmungsgewohnheiten) Anteile des Menschen.

Beispielsweise wissen wir heute aus der Musikwirkungsforschung, dass die biologische (neurologische und vegetative) Wahrnehmung und Verarbeitung musikalischer Elemente (Rhythmus, Melodie, etc.) in allen Kulturen gleichartig abläuft. Die kontextuellen Bedeutungszuschreibungen und Assoziationen zur jeweiligen Musik sind jedoch kulturell sowie biografisch- individuell unterschiedlich.

5. Dies bedeutete für das Konzept der Ethno-Musiktherapie, dass sich die musikalische Umsetzung gemeinsamer therapeutischen Grundprinzipien von Kulturraum zu Kulturraum unterscheiden.
Das Wesen der Ethno-Musiktherapie liegt somit nicht per se im Makam-Phänomen, sondern im Regulationsgedanken psychischer und vegetativer Prozesse.

Ein Beispiel für die Bearbeitung dieses Themas findet sich in der von Studierenden des "Instituts für Kultur-& Sozialanthropologie der Universität Wien" gegründeten Zeitschrift "Die Maske".

Das Ziel einer (2008 tatsächlich erfolgten) gesetzlichen Verankerung der Ethno-Musiktherapie vor Augen habend, emanzipierten sich die Mitarbeiter und Studierenden des Instituts für Ethno-Musiktherapie von der früheren ausschließlichen Orientierung an historisch verbürgten emotions- & organspezifischen Zuordnungen des Makam-Systems und der Ausgrenzung westlichen Therapieverständnisses im Sinne einer "Wahrung von Tradition".

Heute werden je nach klinischer Erfordernis auch westliche musiktherapeutische Elemente mit entsprechendem Liederrepertoire zur Anwendung gebracht.
Aus diesem Grund erweiterte sich die Schulbezeichnung von "Altorientalisch" zu "Ethno- Musiktherapie" und seit 2009 zum "Kremser Modell der Musiktherapie"..

Letzteres versteht sich nicht als musiktherapeutische Schule im engeren Sinn, sondern als praxis- und wissenschaftsgeleiteter Ausbildungsweg für Musiktherapie, der u.a. auch in kultur- & sozialanthropologischen Perspektiven gründet.



Menschenbild, Behandlungsziele:


Weithin gelten Musik, Tanz, bildende Kunst, Poesie und Theater als Synonyme für Ordnung, Spannung und Entspannung, Konflikt und Katharsis, Schönheit und Freude.
Ihre therapeutische Wirkungen entfalteten die Künste im Rahmen einer therapeutischen Beziehung.

Heute gründet sich die Ethno-Musiktherapie auf einem bio-psycho-sozialen Modell von Krankheit und Gesundheit, das sich dem Menschen in seiner physisch- seelisch- geistigen und sozialen Befindlichkeit zu nähern versucht.

Im Hinblick auf seine Genesung bzw. körperliche und seelische Stabilität sind gleichermaßen biologische Faktoren (organmedizinische Gesichtspunkte, biomedizinische Daten), psychologische Aspekte (persönliches Erleben, Verhalten, Lebensstil) und soziale Faktoren (familiäre, berufliche, umweltbezogene Lebensbedingungen) relevant.

Dies erfordert eine realistische Einschätzung des therapeutischen Potentials von Musik in unterschiedlichen sozialen und therapeutischen Kontexten.
Angesichts der Komplexität menschlichen Lebens mit seinen vielfältigen Bedürfnissen nach körperlicher und seelischer Gesundheit, Familie, Partnerschaft, Sexualität, Beruf und finanzieller Absicherung, Wohn- und räumlicher Lebenssituation, Freundschaften, Hobbys, Interessen und Wertbindungen, scheinen überzogene Heilserwartungen an musikalisches Rezipieren bzw. musikalisches Tun unangebracht.

Musik vermag menschliches Leben auf vielfache Weise zu bereichern.
Sie kann Menschen durch das Lauschen eines Musikstückes gleichermaßen entspannen, aber auch in die Erfahrung innerer Bewegtheit, Rührung und Anteilnahme bringen, oder im gemeinsamen Zusammenspiel die Qualität harmonischen Miteinander-Seins eröffnen.
In diesem Sinne ist Musik (angelehnt an Simon Rattle) "... nicht, was sie ist, sondern das, was sie dem Menschen bedeutet".

Musik ist aber angesichts der zuvor aufgezählten komplexen Lebenszusammenhänge nicht in der Lage, monokausal Krankheiten auf magische Weise hinwegzuspielen.

 So unterschiedlich klinische Krankheitsbilder in ihren vielfältigen Erscheinungsformen auch sein mögen, weisen sie doch zwei Gemeinsamkeiten auf:

1. Patienten stehen unter erhöhtem Stress, der unter anderem aus der Belastung durch die Grunderkrankung, die Ungewissheit hinsichtlich des Krankheits- bzw. Genesungsverlaufes sowie die ungewohnten und vielfach ängstigenden Rahmenbedingungen eines Klinikaufenthalts herrührt.
Dank rezenter Erkenntnisse aus der Molekularbiologie wissen wir, dass die Selbstheilungskräfte des Menschen erst im Vagotonus - also Entspannungszustand - voll zur Entfaltung gelangen können.

Daher ist es ein zentrales Therapieziel der Ethno-Musiktherapie, den Patienten in einen solchen vagotonen Zustand überzuführen.

2. Eine weitere "anthropologische Gemeinsamkeit" liegt in dem menschlichen Grundbedürfnis nach Transzendenz und "Spiritualität".
Gerade in lebensbedrohlichen Situationen drängen bei Patienten und deren Angehörigen vielfach Sinn- und Wertfragen ebenso ins Bewusstsein, wie die Sehnsucht nach Transzendenz der eigenen physischen Existenz.
Mit anderen Worten: "Fühle ich mich mit dem Leben (wie ich es führe) verbunden, von den Menschen die darin eine Rolle spielen verstanden sowie von einer "höheren Instanz" getragen"?

Über eine vertrauensvolle - an den vorhandenen Ressourcen und Potenzialen des Patienten ansetzende - Beziehung wird der Aspekt des "sich Verbunden-Fühlen-Könnens" therapeutisch ebenso bearbeitet, wie die Frage einer Stressregulation.




Kernelemente: Aktive & Rezeptive Musiktherapie - Regulation & Beziehung:

Der Gedanke einer ordnungsschaffenden - und somit regulierenden - Kraft im Menschen wurde bereits von Rudolf Virchow 1868 formuliert, wenn er sagte:
"Die Krankheit beginnt im Augenblick, wo die regulatorische Einrichtung des Körpers nicht mehr ausreicht, um die Störung zu beseitigen. Nicht das Leben unter abnormen Bedingungen als solches erzeugt Krankheit, sondern die Krankheit beginnt mit der Insuffizienz des regulatorischen Apparates."

Nach einer derartigen regulationsmedizinischen Sicht bedürfen organische Systeme beständigen rhythmischen Ordnungsgebern. Diese bestehen aus endogenen (innere Uhr) und exogenen Zeitgebern (Licht, Tag/Nacht, etc.).
Exogene Zeitgeber beeinflussen endogene Prozesse ebenso wie dies äußere Sinnesreize oder innerpsychische Prozesse (z.B. Emotionen) tun.

Der Lebensalltag fordert den menschlichen Organismus in vielfältiger Weise. Ein gesunder Organismus ist in der Lage all diese Impulse auszugleichen.
Mit anderen Worten vermag das Vegetativum des gesunden Menschen dynamisch und flexibel auf innere Impulse und äußere Umweltreize zu reagieren.

Im Sinne regulationsmedizinischen Denkens ist Krankheit Ausdruck einer Störung dieser Periodizitäten. Umgekehrt führt Krankheit auch zu Störungen derselben.
So zeigen Patienten reduzierte, starre und konfuse biologische Rhythmen (Beispielsweise leiden viele erkrankte Menschen unter Schlafstörungen).

Ein Weg zur wissenschaftlichen Evaluierung von am Krankenbett stattfindenden musiktherapeutischen Prozessen erfolgt mittels Messmethoden, die von chronomedizinischem und -biologischem Denken geprägt sind.
Jeder psychische Zustand widerspiegelt sich als physiologisches Korrelat auch im "Autonomen Nervensystem".

 Somit ist (neben dem oben besprochenen Aspekt der menschlichen Anteilnahme und Verbundenheit) ein weiteres verallgemeinerbares Therapieziel der Ethno-Musiktherapie, zu einer Flexibilisierung und Ausbalancierung dieser Rhythmen beizutragen.

Musikalisch- therapeutische Elemente hierfür sind Melodie, Rhythmus, Bewegung, Atmung, Tempo, etc. sowie die Wahl des richtigen Zeitpunkts der therapeutischen Intervention, die mit der jeweiligen vegetativen Gestimmtheit des Patienten übereinstimmt.
Jeder Mensch kennt aus seiner eigenen Lebenspraxis derartige tageszeitlich bedingte Aktivitätsschwankungen.

Aus diesem Grund deuten Ethno-Musiktherapeuten "Müdigkeit" eines Patienten nicht zwingend als "therapeutischen Widerstand".

Das Institut für Ethno-Musiktherapie hat anhand der in Österreich gesammelten Praxiserfahrungen neben der regulationsmedizinischen Perspektive auch ein beziehungsmedizinisches Modell entwickelt, das in Teilaspekten durchaus mit westlich- psychotherapeutischen Ideen und Konzepten in Einklang zu bringen ist.

Hierzu einige Gedankensplitter:
In der aktiven Anwendungsform der Ethno- Musiktherapie wird Musik ganz im Sinne von David Aldridge zum idealen "... Medium, um zu entdecken, wie die Menschen komponiert sind, wie jeder als Ganzes in der Welt ist, bereit, schöpferisch und erhaltend tätig zu sein".

Der therapeutische Effekt der Rezeptiven Musiktherapie" beruht im Sinne oben besprochenen "regulationsmedizinischen" Denkens darauf, dass dem Patienten in geschützter therapeutischer Atmosphäre eine Abfolge von (komponierten bzw. improvisierten) Klangfolgen bzw. Melodien zu Gehör gebracht werden.
Diese können sowohl ausgewähltes Makam-Repertoire umfassen, wie auch westliches Liedgut und Musikrepertoire.

Musik wird hier im Sinne Karl Hörmanns erst durch ihre kompetente musikalisch- künstlerische Vermittlung zum therapeutisch wirksamen Interventionsmedium.

Konzeptionell legen die aktiven und rezeptiven Anwendungsformen der Ethno-Musiktherapie ihren Schwerpunkt auf einen primär "nicht- konfliktorientierten" Behandlungsplan , der - ähnlich den Ideen von Allostase in der Psychosomatik, auf dem Prinzip des körperlichen und seelischen Ausgleichs beruht.

Ethno-Musiktherapie folgt somit einer "allopathischen Idee" emotionaler Umstimmung, und nicht der "Katharsistheorie".

Gerhard Tucek versucht beständig einem vielfach auftretenden Missverständnis hinsichtlich dieser therapeutischen Grundeinstellung entgegenzuwirken:
"Nicht-konfliktorientiert" bedeutet keineswegs, dem Patienten das Ausdrücken schmerzhafter Gefühle zu verwehren bzw. (emotional und musikalisch) spannungsvolle Sequenzen zuzudecken.
Vielmehr geht es darum, ihm (dem Patienten) das Bedürfnis hinter dem Schmerz oder der Aggression zugänglich zu machen.

Ist das unerlöste Bedürfnis erst einmal erkannt, geht es in weiterer Folge (in beziehungsmedizinischem Sinne) darum, den Beitrag den das Gegenüber zur Erfüllung dieses Bedürfnisses leisten könnte so zu formulieren, dass dies als Bitte und nicht als Vorwurf oder Forderung verstanden wird. Auf diese Weise wird es dem Anderen möglich, auf die Bitte aus freien Stücken einzugehen, weil er des Leben des Bittenden bereichern möchte.

Ein aus dieser Haltung heraus handelnder Therapeut begegnet dem Patienten vor allem auf der Ebene eines mitfühlenden und Anteil nehmenden Mitmenschen, und nicht als "Experte für die Behandlung von Pathologien".

Ethnomusiktherapie will damit keineswegs vorhanden Pathologien "schön reden". Allerdings erscheint in vielen klinischen Kontexten eine Erweiterung von an "Pathologien" orientierten Sichtweisen durch salutogenetisch inspirierte Begegnung sinnvoll.
Dies stellt den Ethno-Musiktherapeuten vor die Herausforderung, beide Denkweisen zu beherrschen.

Dieser Gedanke soll kurz vertieft werden:
Ein Patient, der in der Rehabilitation nach Schlaganfall oder Unfall in leistungsfördernden und –fordernden Therapien geringe bis keine Bereitschaft zeigt, sich am Rehabilitationsprogramm zu beteiligen, wird nicht selten als „depressiv“ oder "nicht komplient" eingestuft.
Nur wenige Personen des therapeutischen Personals sind in der Lage, sich in die Verzweiflung dieses Menschen einzufühlen, dessen Leben(splanung) von einem Tag auf den Anderen völlig verändert wurde.
Hier geht es nicht bloß um die Behandlung der tatsächlich vorhandene Pathologien (wie etwa die Schlaganfallsymptome oder eine Depression), sondern um das einfühlsame Erfassen und Eingehen auf die tiefgreifende Erschütterung, den dieser Schicksalsschlag für diese Person und sein soziales Umfeld hervorgerufen hat.
Erst über eine einfühlsame und vom salutogenetischen Gedanken geprägte therapeutische Beziehung wird sich der Mensch in die Lage versetzt fühlen, verbliebene Möglichkeiten zu ergründen und neue Perspektiven aufzubauen.

Das Konzept der Ethno-Musiktherapie folgt daher nicht der Idee, dass bloßes (symbolisches) Ausdrücken bzw. Ausleben von Wut und Aggression per se bereits einen nachhaltigen therapeutischen Effekt hat.

Wir sind der Auffassung, dass hinter schmerzhaften Gefühlen wie Trauer und Wut vielfach das Bedürfnisse nach Verbundenheit, Angenommen-Sein, eigenständige Gestaltungsmöglichkeit oder Autonomie stehen.
In diesem Sinne geht es nicht primär um "Abgrenzung" gegenüber anderen Menschen, sondern um das Ergründen befriedigender Wege, um mit anderen Menschen in "Verbindung" treten zu können.

So ist beispielsweise die von Therapeuten oftmals geforderte Abgrenzugsfähigkeit des Patienten gegenüber Eltern oder Partnern aus ethno-musiktherapeutischer Sicht zu kurz gegriffen.
Die eigentliche Frage lautet vielmehr, wie eine beglückende Beziehung herzustellen ist? Da beide Seiten in der Regel gleichermaßen das Bedürfnis nach beglückender Verbundenheit teilen, ändert sich der Fokus in Richtung einer Suche nach konstruktiven und lebensbejahenden Umsetzungsstrategien.

Die Erkenntnis, dass Menschen dieselben Bedürfnisse teilen führt dazu, diese nicht als Schwäche, sondern als legitimen Ausdruck von Leben zu verstehen. Lediglich die gewählten Strategien der Bedürfniserfüllung sind dem Leben mehr oder weniger dienlich.

Die Ethno-Musiktherapie sieht sich hier eng mit den Ideen der "Gewaltfreien Kommunikation" nach Rosenberg sowie der "klientenzentrierten Psychotherapie" nach Rogers verbunden.

Hierbei wird gleichermaßen auf das historische Konzept Bezug genommen, das physiologische und seelische "Defizite" oder "Überschüsse" (körperliche Stressreaktionen, psychische Mangelgefühle, Spannungen) mittels vegetativer Harmonisierung und mentaler Stärkung zu bearbeiten sucht. Eine in diesem Zusammenhang therapeutisch überaus wertvolle Fragestellung lautet, wie wir das Leben des Anderen bereichern können.
Der Therapeut wird im Zuge seiner Ausbildung in der Entwicklung dieser Haltung geschult, um im therapeutischen Prozess den Patienten Zugang zu dieser Dimension authentisch eröffnen zu können.

Hierbei finden auch Grundideen der "Bindungsforschung" Eingang in das Konzept der Ethno-Musiktherapie.
Beispielsweise zielen eine situations- und personenadäquate Vermittlung von Zutrauen, Sicherheit und Geborgenheit auf die Befriedigung von drei psychischen Grundbedürfnissen im Menschen ab:
1. Bindung im Sinne der Befähigung, enge zwischenmenschliche Beziehungen einzugehen
2. Kompetenz durch die Erfahrung von effektiver Interaktion mit der Umwelt
3. Autonomie durch die freie Bestimmung des eigenen Handelns, Gestaltens und seiner Verbundenheit.

Vergleichbar mit dem in der modernen "Verhaltenstherapie" praktizierten Ansatz, gesunde Persönlichkeitsanteile zu stärken, stellt auch die Ethno-Musiktherapie das Bild des "ganzen und heilen" Menschen in ihr Zentrum, was bedeutet, die noch verbliebenen (oder schon wieder vorhandenen) Ressourcen eines Patienten anzusprechen.

Folgt man einem weiteren gängigen Psychotherapiemodell, welches die heilsame Wirkung von Visualisierung und Tagtraumreisen anerkennt (vgl. "katathymes Bilderleben"), so erscheint es logisch, den phylogenetisch ältesten Teil menschlicher Sinnesmodalitäten - den Ohr- Hör - Sprachkreis - ebenfalls in dieses Verständnis miteinzubeziehen.

Beide, Visualisierung wie musikalischer Ein- bzw. Ausdruck arbeiten mit und an Symbolen. So wie ein inneres und äußeres Bild, kann (bei Bedarf) das gemeinsame musikalische Geschehen (Klang, Melodie, Rhythmus, Instrument etc.) auch symbolisch gedeutet werden. Dabei nimmt der Therapeut die Haltung eines Fragenden ein, und versucht zu ergründen, welche (Be)Deutungen der Patient findet. Diese werden dann in Beziehung zu den eigenen Wahrnehmungen, Gefülen und (Be)Deutungen gesetzt und mitgeteilt.


Hieraus leitet sich ein weiteres allgemeines Therapieziel der Ethno-Musiktherapie ab: die Förderung einer Ausgewogenheit zwischen äußerer Lebenswelt und psychischen und transzendenten Innenwelten durch direktes Erleben von Sicherheit, Verbundenheit, Freude und Harmonie.
Der sich hierdurch ergebende Erkenntnisprozess ist seinem Wesen nach offen und zieht keine scharfen Trennlinien zwischen physischen, psychischen und transzendenten Seinsdimensionen.

Ein wesentlicher Schlüssel zum Therapieerfolg liegt darin, das Potential und die Grenzen der jeweiligen Interventionstechniken realistisch einzuschätzen, und an die Bedürfnisse des Patienten sowie die Erfordernisse des laufenden Therapieprozesses anzupassen.

Hierfür ist die Persönlichkeit und Reife des Therapeuten ein entscheidender Wirkfaktor.
Im Sinne eines "ressourcenorientierten und egalitären" Therapieverständnisses hat der Therapeut im Verlauf seiner eigenen Ausbildung den konstruktiven Umgang mit eigenen Möglichkeiten, biografischen Brüchen und Grenzen erfahren. Dabei hat er gelernt, Pathologien und bisweilen krankheitswertige Verhaltensweisen in wertschätzender Haltung zu begegnen, und das dahinter verborgen liegende Entwicklungspotential zu erkennen und zu fördern.

Die Verinnerlichung dieses Denkens ist wichtiger Teil der Therapieausbildung an der IMC Fachhochschule Krems.
Hier lassen sich Anknüpfungspunkte zum Konzept der "Positiven Psychotherapie" herstellen.

Das therapeutische Handeln des Ethno-Musiktherapeuten gründet auf einem egalitären Menschenbild, da - neben der zuvor angesprochenen psycho-sozialen Perspektiven - auch auf der Ebene vegetativer und sozialer Regelkreise für alle am therapeutischen Prozess beteiligten Personen die selben (neurologischen und vegetativen) Grundprinzipien gelten.

Durch eine wertschätzende Grundhaltung und einfühlsame Ausgestaltung des therapeutischen Rahmens vermittelt der Therapeut strukturelle Sicherheit sowie menschliche Geborgenheit.
Therapeutisch angewendete Musik erfährt erst innerhalb eines solchen Rahmens sowie durch die menschlich- musikalische Begegnung (interaktiv oder aber auch im Sinne rezeptiven Musikhörens) ihren konkreten Bedeutungsgehalt.

Die klinische Praxis lehrte uns dabei die vorhandene Stimmung des Patienten zunächst musikalisch aufzugreifen und behutsam zu verwandeln.

In diesem Sinne dient Musik hier der Rekreation des Gemüts, was nicht bloß Erholung meint, sondern eine Hinwendung zu ihrem Innersten. Auf dieser Grundlage schafft Musik eine natürliche Basis für die Wiederherstellung des "ganzen Menschen", auch wenn er im medizinischen Sinne als "krank" oder "behindert" gilt.

Diesen Teil abschließend sollen nochmals die drei wichtigsten verallgemeinerbaren therapeutischen Ziele zusammengefasst werden:

1. Das Ansinnen, dem Patienten im therapeutischen Prozess dabei zu unterstützen, ein stimmiges Zusammenspiel zwischen einem (nach außen gewandten sozio-kulturellen) Entwurf gelingender Lebensgestaltung und innerer subjektiver Stimmigkeit (wieder)herzustellen.
Dabei spielen Fragen nach der Erfahrung von "Lebensfülle und Bereicherung des Lebens anderer Menschen" eine wichtig Rolle.

2. Eine Flexibilisierung und Ausbalancierung vegetativer Rhythmen (Sympathikus und Parasympathikus) des Patienten, mittels musik- bzw. bewegungsinduzierter Aktivierung bzw. Entspannung.
Studien (u.a. Tracy 2002)
zeigten den Zusammenhang zwischen Stress(reduktion) und Selbstheilungskräften.
Auf dieser Grundlage werden die therapeutischen Prozesse der Ethno-Musiktherapie mittels Videodokumentation und chronobiologischer Messungen, wie u.a. der Messung der "Herzratenvariabilität" evaluiert.

3. Die aus einer liebenden Haltung (im Sinne von "Agape" im Gegensatz zu "Eros") des Therapeuten entspringende authentische mitmenschliche Anteilnahme am Schicksal und therapeutischem Weg des Patienten. Mit anderen Worten, folgt das hiesige Verständnis von "Liebe" einem geistigen Konzept, und nicht einem "Triebmodell".
(Die überaus bedeutsame Frage nach sexueller Attraktion in therapeutischen Abhängigkeitsbeziehungen ist in hervorragender Weise von Peter Rutter in seinem Buch "Sex in der verbotenen Zone: Wie Männer mit Macht das Vertrauen von Frauen missbrauchen" bearbeitet.)

Diese Haltung führt zur Erfahrung von Verbundenheit Sicherheit und Wertschätzung, die sich im Vegetativum vielfach als Entspannung abbildet.
Bisherige Messungen des Vegetativums von Patienten und Therapeuten während theraputischer Sitzungen (u.a. in der Intensivstation 13i2 im Wiener AKH) bestätigten diese Studienergebnisse, und zeigten darüber hinaus, dass sich die Vegetativa von Patient und Therapeut im Verlauf einer gelingenden therapeutischen Sitzung zu synchronisieren beginnen.




Differenzierung zwischen Altorientalischer- und Ethno-Musiktherapie:

Die Ethno-Musiktherapie ging aus dem Modell der Altorientalischen Musiktherapie hervor, und ist eng mit Ihm verwandt.

Der wesentlichste Unterschied liegt darin, dass die Ethno-Musiktherapie heute nicht mehr der Idee einer Makam-Struktur als per se heilenden musikalischer Substanz folgt.

Vielmehr bedarf es einer empathischen zwischenmenschlichen Beziehung, die nicht losgelöst vom therapeutisch-institutionellen Kontext, der jeweiligen Therapeutenpersönlichkeit sowie den Bedürfnissen des Patienten zu betrachten ist.

 Anstelle der früher angenommenen emotions- und organspezifischen Wirkungen, legen wir heute großen Wert darauf, wie der Therapeut dem Patienten seine ressourcenorientierte Haltung mittels verbaler und musikalischer Elemente wie Tempo, Intonation, Dynamik etc. kommuniziert.

Die dabei im Zusammenhang mit der Ethno-Musiktherapie häufig verwendeten Makam-Skalen (Rast- bzw. Nihavent- Pentatonik Rast, Rehavi) kommen europäischen Hörgewohnheiten nahe.

Daraus ergibt sich beim Zuhörer ein Spannungsfeld zwischen den Polen „nicht ganz fremd“ aber auch „noch nicht vertraut“, was - neben dem ungewohnten Klangcharakter der Instrumente (Harfe, Oud) - einen gewissen Appellcharakter hat.

Die Klangeigenschaften der orientalischen Instrumente sollen dem Patienten in Verbindung mit einem sorgsam ausgewählten Repertoire dort ein "niederschwelliges" Therapieangebot eröffnen. Dies wird dort bedeutsam, wo Patienten - früher selbstverständliche - musikalische Ausdrucksformen krankeitsbedingt verloren haben, und die Erinnerung an vergangene Zeiten (und deren Lieder) zu schmerzhaft ist.

Bei jenen Patienten jedoch, bei denen die Erinnerung an frühere emotionale "Hochzeiten" an bestimmte Lieder oder Klänge gekoppelt ist, hat die Ethno-Musiktherapie ihr Angebot durch europäisches Instrumentarium und Klang- sowie Liedrepertoire erweitert.

Dieser Zugang öffnete den Weg auch für ein nicht-orientalisches Musikinstrumentarium und Repertoire.

Ein wesentlicher Bestandteil der Ethno-Musiktherapie liegt in ihrer zeitgemäßen Vermittlungsart, die auf einem Fächerstudium mit ausgiebiger therapeutischer Selbsterfahrung sowie klinischen Übungspraktika fußt.




Die gesetzliche Verankerung:

Altorientalische- bzw. Ethno-Musiktherapie (sofern mit der Ausbildung nach dem 1.1.1997 am Institut für Ethno-Musiktherapie begonnen) wurde am 2.Juli 2008 vom Österreichischen Gesetzgeber durch das "93. Bundesgesetz der Republik Österreich" anerkannt.

Gemäß dortiger Definition ist:
... Musiktherapie eine eigenständige, wissenschaftlich-künstlerisch-kreative und ausdrucksfördernde Therapieform. Sie umfasst die bewusste und geplante Behandlung von Menschen, insbesondere mit emotional, somatisch, intellektuell oder sozial bedingten Verhaltensstörungen und Leidenszuständen, durch den Einsatz musikalischer Mittel in einer therapeutischen Beziehung zwischen einem (einer) oder mehreren Behandelten und einem (einer) oder mehreren Behandelnden mit dem Ziel
1. Symptomen vorzubeugen, diese zu mildern oder zu beseitigen oder
2. behandlungsbedürftige Verhaltensweisen und Einstellungen zu ändern oder
3. die Entwicklung, Reifung und Gesundheit des (der) Behandelten zu fördern und zu erhalten oder wiederherzustellen.

(2) Die Ausübung des musiktherapeutischen Berufes besteht in der berufsmäßigen Ausführung der im Abs. 1 umschriebenen Tätigkeiten, insbesondere zum Zweck der
1. Prävention einschließlich Gesundheitsförderung,
2. Behandlung von akuten und chronischen Erkrankungen,
3. Rehabilitation,
4. Förderung von sozialen Kompetenzen einschließlich Supervision sowie
5. Lehre und Forschung.

(3) Die berufsmäßige Ausübung der Musiktherapie ist den Musiktherapeuten (Musiktherapeutinnen) vorbehalten. Anderen Personen als Musiktherapeuten (Musiktherapeutinnen) ist die berufsmäßige Ausübung der Musiktherapie verboten. Berufsmäßige Ausübung (Berufsausübung) der Musiktherapie liegt vor, wenn Musiktherapie regelmäßig und in der Absicht betrieben wird, einen Ertrag oder sonstigen wirtschaftlichen Vorteil zur Schaffung und Erhaltung einer Lebensgrundlage einschließlich einer nebenberuflichen Einkommensquelle zu erzielen. ...




"Das erweiterte Ausbildungskonzept an der FH Krems":


Studienziel und gegenwärtige Ausrichtung des Studiengangs:

Das therapeutische Instrumentarium umfasst u.a. Harfe, Klavier, Oud und Gitarre.

Eine wesentliche didaktische Ausrichtung der Ausbildung liegt im Konzept der "Praxisforschung". Studierende lernen hierdurch nicht nur reflexives Arbeiten, sondern auch wichtige methodische Grundlagen zur Verbesserung und Entwicklung der späteren therapeutischen Praxis.

Das therapeutische Training umfasst neben verbal- kommunikativen Aspekten u.a. den aktiven wechselseitigen musikalischen Dialog mit dem Patienten.

Hier gilt es gemeinsam mit dem Patienten bedeutungsvolle musikalische Ausdrucksformen zu entwickeln.

Im Mittelpunkt stehen Qualitäten wie Freude, Verbundenheit und Harmonie , die im therapeutischen Prozess bisweilen erst schrittweise entwickelt werden müssen.
(Die heilsame Bedeutung von "Beziehung" veranschaulicht ein Bericht von Harro Albrecht in der Zeitschrift "Die Zeit".)

Wie bereits weiter oben beschrieben, verstehen wir uns nicht als musiktherapeutische Schule im engeren Sinn, sondern als praxis- und wissenschaftsgeleiteter Ausbildungsweg für Musiktherapie. Vorrangiges Ziel dieses berufsbegleitenden Studiengangs ist es, die AbsolventInnen zu handlungskompetenten AkademikerInnen im Bereich der Musiktherapie heranzubilden, die zur mitverantwortlichen Ausübung der Musiktherapie berechtigt sind.

Vermittelt werden grundlegende fachliche Kenntnisse (u.a. wissenschaftstheoretische und musiktherapeutische Grundlagen, Theorien und Modelle, Begriffe und Methoden musiktherapeutischen Arbeitens) sowie die bedarfsgerechte praktische Anwendung bestehenden nationalen und internationalen Musiktherapiewissens.

Der an der IMC Fachhochschule Krems vermittelte therapeutische Ansatz lehnt sich weiterhin nicht an einen einzelnen psychotherapeutischen Theorierahmen an, sondern orientiert sich an den Möglichkeiten des Mediums Musik und nonverbaler künstlerisch musikalischer Gestaltungsprozesse vor dem Hintergrund eines ganzheitlich-humanistischen Verständnisses.

Zusätzlich werden auch Kompetenzen zur kritischen Reflexion des eigenen therapeutischen Handelns und zur Theorie-Praxis Verknüpfung vermittelt. Angestrebt wird dies über in das Studium integrierte Praxistätigkeit (ab dem 3. Semester) und eine Vernetzung der Lehrinhalte mit aktuellen Forschungstätigkeiten.
Besonderes Augenmerk wird darauf gelegt, dass Studierende ihre therapeutischen Möglichkeiten verantwortungsvoll umsetzen und Grenzen ihrer im Rahmen der Ausbildung erworbenen beruflichen Befähigungen wahren.

Der Studiengang ist anwendungsorientiert, wobei sich Lehre, Forschung und Praxis gegenseitig durchdringen. Lehr- und Forschungsinhalte orientieren sich an bestmöglicher PatientInnenversorgung.

Einführende Überlegungen zur therapeutischen Arbeit finden Sie unter der Rubrik "Praxis"

Kernelemente des Studiengangs sind:
  • Musikalische Fertigkeiten & künstlerische Fächer
  • Allgemeine wissenschaftstheoretische Grundlagen
  • Medizinische Grundlagen für Musiktherapeuten
  • Psychologische Grundlagen für Musiktherapeuten
  • Wissenschaftliche Grundlagen der Musiktherapeutik
  • Ethik und Einführung in die institutionellen psychosozialen und gesundheitsrechtlichen Rahmenbedingungen von Musiktherapie
  • Musiktherapeutische Praxis / selbstreflexive Fähigkeiten
  • Verfassen wissenschaftlicher Bachelorarbeiten und Präsentation


Aspekte des didaktischen Konzepts finden Sie unter der Rubrik "Ausbildung"


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