Institut für Ethno-Musik-Therapie

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Inhalt Klinische Forschung aktuell:


Ein Beitrag in der online Zeitschrift "music therapy today" befasst sich mit neueren Forschungsansätzen der Altorientalischen Musiktherapie (bitte unter "October 2006" die Rubrik "articles" anklicken).
Entsprechend der historischen Regulationsidee arbeiten wir gegenwärtig mit chronobiologischen Messmethoden, um die Wirkung von therapeutischer Beziehung und Musik nachvollziehbar zu machen.
Der Beitrtag ist in englischer Sprache verfasst und lautet: http://Traditional oriental music therapy - a regulatory and relational approach.


Altorientalische Musiktherapie in der neurologischen Rehabilitation bei Patienten nach Schädel - Hirn - Trauma
Murg M. Stepansky R. Auer - Pekarsky A. Tucek G. Oder W.

ABSTRACT:

Object: As regards rehabilitation procedures, Traditional Oriental Music Therapy (TOMT) may be categorized as a kind of stimulation therapy using tonalities (makams) acting to specific organ systems in order to influence awareness by means of inducing trance states. There seems to be no more devastating neurological condition than the minimal responsive state following extremely severe brain injury. TOMT is only recently used in these patients in order to induce communication with these extremely severe impaired patients.

Methods: From three male patients in a minimally responsive state (age: 38,3, range 23-47) and five female controls (age 36,4, range 23-57) serial EEG-recordings were performed prior to, during and after TOMT, 20 minutes each, five times per patient and two controls and once in three healthy control subjects. Using a standardised protocol, digital quantitative EEG recordings using a Oxford Medelec 10/20 System (Fast Fourier Transformation, Multimedia Medelec) and serial neurological scoring by means of the Coma Remission Scale (KRS) developed by Schönle have been performed to evaluate the effect of TOMT.

Results: Two of five healthy control subjects demonstrated an increase of theta (4-8Hz) and alpha power (8-13Hz) during TOMT. In all patients, delta (0,5-4 Hz) and alpha frequency power increased over all localizations during therapy. Theta frequency power showed an increase during therapy only in patient 2 and 3. Patient 2 and 3 improved after TOMT in terms of KRS-scores in comparison to the baseline. In contrast, patient 1 demonstrated a decrease in theta-power during TOMT and no improvement in KRS-scores.

Conclusions: These preliminary results have to be interpreted very cautiously. Although the most injured patient 1 showed a slight decrease of theta power and the controls had no common pattern of change in theta power during music, the increase of alpha and theta power may be seen as a coherent phenomenon during TOMT. Theta accentuation is regarded as a hint for changes in consciousness as theta power changes occur during trance states. To test these hypothesis we a going on with further studies in order to evaluate the therapeutic promises of this kind of music therapy.

Weitere aktuelle Studien:

Einfluß Altorientalischer Musiktherapie auf das Vegetativum bei Patienten in der kardiologischen Rehabilitation
(Erhebung und Auswertung abgeschlossen. In Publikation)

Altorientalische Musiktherapie im Bereich der onkologischen Rehabilitation nach Brustkrebs:
(Institut für Physiologie der Universität Wien; Institut für Ethnomusiktherapie.(In Einreichung))

Die tonartenspezifische Wirkung rezeptiven Musikhörens von Altorientalischer Musiktherapie
(Institut für Kultur- und Sozialanthropologie der Universität Wien; Institut für Ethnomusiktherapie (in Arbeit))

Cyber-Heilkunst? Transkulturelle Ethnomusiktherapie zwischen Körperritual und digitaler Technologie
(Institut für Kultur- und Sozialanthropologie der Universität Wien; Institut für Ethnomusiktherapie (in Einreichung))


Inhalt kulturwissenschaftlicher und ethnologischer Forschung aktuell:


Altorientalische Musiktherapie im Spannungsfeld zwischen interkulturellem Dialog und transkultureller Anwendung. Vom traditionellen Wissenssystem zum transkulturellen Wissenstransfer. Gerhard Tucek

Zusammenfassung
Ziel dieser Dissertation war es, anhand der Altorientalischen Musiktherapie das komplexe Geschehen kultureller Begegnung darzustellen.
Der Autor versuchte sichtbar zu machen, dass diese Prozesse primär die Begegnung konkreter Menschen ist, und weniger die Begegnung abstrakter Konzepte.

Im ersten Teil ging es um die Darstellung der Altorientalischen Musiktherapie als Wissenstradition. Dieser Abschnitt beschreibt die Altorientalische Musiktherapie vor ihrem Kontakt mit heutiger westlicher Kultur und Medizin.
Anhand der Darstellung von Musik in den Mythen wurde die tiefgreifende und überzeitliche Bedeutung dieses künstlerischen Mediums in der menschlichen Kulturgeschichte beschrieben.
Aus der Verbindung vorrationaler Weltbegegnung mit aufkommendem wissenschaftlichem Denken entstand mit der Altorientalischen Musiktherapie ab dem 8./ 9. Jh ein in dieser Form einzigartiges, in sich schlüssiges Therapiekonzept, dass sich über viele Jahrhunderte hinweg in den Spitälern des Vorderen Orients sowie in Mittel- und Zentralasien bewährte.
Es wurden zwei historische Entwicklungslinien von "Musiktherapie" beschrieben:
  • Eine naturvölkisch - schamanische Linie der Bakse - Schamanen Zentral- und Mittelasiens, die in ihren Heilzeremonienen Musik und Tanz zur Anwendung brachten.
  • Eine islamisch- arabische Linie, deren Gelehrte - das griechische Musikerbe rezipierend - ein System von Tonarten (Makamat) und Künsten in das damalige Spitalswesen einbrachten.


Beide Linien - obwohl zunächst in keiner direkten Verbindung zueinander - gaben der heutigen Anwendung der Altorientalischen Musiktherapie wesentliche Impulse.
Es wurde gezeigt, dass die angebliche Musikfeindlichkeit des Islam eine Fehlinterpretation der prinzipiellen Kontextgebundenheit von Musik in der islamischen Welt ist. U.a.wurde dies anhand der Einbettung der Musiktherapie in das naturwissenschaftlich orientierte islamische Medizinsystem dargestellt.
Ebenso wurde darauf eingegangen, wie das religiöse Welt- und Menschenbild das Therapieverständnis prägte.

Im 2. Teil der Arbeit ging es um den Prozeß des Wissenstransfers.
Der Autor stellte seinen biographischen Zugang zu dem Aktions- und Forschungsfeld dar und argumentierte seine Sicht einer notwendigen Adaptation der Altorientalischen Musiktherapie in Lehre und Praxis an das Europäische Bildungs- und Therapieverständnis.
Die Bedeutung der (in historischen Quellen nicht beschriebenen ) beziehungsmedizinischen Dimension auf den Therapieerfolg wurde ebenso dargestellt wie die Weiterführung des historischen kunstorientierten Therapieansatzes.
In einem weiteren Abschnitt wurden die historischen und konzeptionellen Wurzeln der in den 80er Jahren entwickelten "Aktiven Altorientalischen Musiktherapie" beschrieben und in einen aktuellen Therapiekontext gestellt (u.a. anhand praktischer Beispiele aus der neurologischen Rehabilitation).
Weiters wurde der Prozess einer Methodenenweiterentwicklung vor dem Hintergrund aktueller klinischer Anforderungen beschrieben. (z.B.-Kombination unterschiedlicher Methoden)
Das Spannungsfeld zwischen "traditionellen", bewahrenden Ansprüchen und dynamischer Entwicklung dieser Kulturtechnik im Rahmen eines veränderten kulturellen Kontextes wurde metatheoretisch anhand eines Exkurses über die Mythen darzustellen versucht.
Bedingt durch die konzeptionelle Nähe der Altorientalischen Musiktherapie zu spirituell- geistigen Konzepten des Islam sowie der Bedeutung intuitiven Erkenntnisgewinns wurde die Frage gestellt, ob diese Therapieform heute im Sinne einer esoterischen Heilslehre des "new age" zu interpretieren sei. Diese Frage wurde verneint.
Abschließend wurde diskutiert, ob die historische Sicht einer musikalischen "Allwirkung" von Musiken heute noch aufrecht erhalten werden kann.
Die Frage ist nicht eindeutig zu beantworten: Einerseits ist klar, dass einen 1:1 Übernahme der historischen Tonartenzuschreibungen nicht haltbar ist. Andererseits zeigen sich in der klinischen Praxis doch immer wieder erstaunliche Übereinstimmungen mit den Aussagen der historischen Quellen. Es wurde argumentiert, dass historische Therapiemethoden der Erreichung eines gesellschaftlich vorgegebenen Ziels verpflichtet waren, während hingegen heute das angestrebte Therapieziel oftmals erst durch die jeweilige Methode individuell bestimmt wird.

Im 3. Teil ging es zunächst um den Versuch, sich dem Phänomen Musik aus phylogenetischer bzw. neurobiologischer Sicht anzunähern. Der Autor beschreibt neuere Erkenntnisse der musikalischen Rezeptionsforschung.
Er unternimmt einen Exkurs zum Problem der Erkenntnis: Was die im 1. Teil beschriebene mythologische Sicht mit der im 3. Teil dargestellten naturwissenschaftlichen Perspektive verbindet, ist die Erkenntnis, dass Musik heilsame Wirkung zu entfalten vermag.
Hiermit wird implizit die in der Einleitung postulierte These bestätigt, dass jedes Zeitalter gewisse Grundwahrheiten in immer neuer Weise argumentiert.
Dies bedeutet für das hier behandelte Thema, dass:
  • Musik ein dem Menschen wesenhaft innewohnendes Desiderat zu sein scheint
  • bei der wissenschaftlichen Erforschung von Musikwirkungen historische Forschung wesentlich mitzuberücksichtigen ist.

Die Sicht, dass vorrationale Weltbegegnungsmodelle in einer heutigen technisierten und rationalen Zeit im besten Falle von historischerm Interesse sind, wird hier in Frage gestellt.
Auf der Grundlage dieser Überlegungen unternimmt der Autor den Versuch eines integralen Paradigmas für das Forschungsfeld Musiktherapie
Drei Punkte erscheinen hierfür wesentlich:
  • Die (menschenmögliche) Orientierung an der Ganzheit der Wirklichkeit (unter Berücksichtung zweckmäßiger Aspektbildungen)
  • die Bereitschaft zu einer konstruktiven Auseinandersetzung mit Theorien und Modellen aus deren Verständnis
  • die Berücksichtigung der Willens- und Vorstellungsabhängigkeit wissenschaftlichen Forschens und Handelns
    Zur Begleitung dieses Prozesses schlägt der Autor bewährte Dialogmodelle vor.

    Conclusio und Ausblick
    Ziel dieser Arbeit war es, anhand der Altorientalischen Musiktherapie das komplexe Geschehen kultureller Begegnung darzustellen. Gemäß Kremsers Konzept der FelderForschung wollte der Autor die Fragestellung "Wie sehe ich mich selbst"(emische Sichtweise) differenzierter beleuchten. Spätere Arbeiten werden sich mit den anderen Perspektiven (wie sieht mich der Andere (etische Sichtweise); wie sehe ich den Anderen; wie sieht sich der Andere selbst) zu befassen haben.
    Es ging dem Autor u.a. darum, eine Methodenreflexion und -definition der Altorientalischen Musiktherapie vorzunehmen,. Darüber hinaus wollte er das Bewußtsein darauf lenken, dass derartige Prozesse immer durch die Begegnung konkreter Menschen vorangetrieben werden, und nicht durch die Gegenüberstellung "objektiver" theoretischer Konzepte und Weltbilder.
    Wo immer sich handelnde Personen oder auch Institutionen auf "einzig recht habende" Positionen einzementieren, entsteht Stagnation.
    Auf der Basis dieser Erkenntnis, wird die Begegnung mit dem Anderen - sei es auf der Ebene von Kultur- und Religion oder auf der Ebene von Wissenschafts- oder Therapiekonzepten zu einem kreativen und offenen Prozess.

    Altorientalische Musiktherapie hat sich als Therapiekonzept in Österreich mittlerweile gut etabliert.
    Dennoch gilt es die Forschung weiter zu vertiefen. Dies gilt sowohl für den historischen Bereich, als auch für klinische Fragestellungen und die Rezeptionsforschung.
    Es stellt sich u.a. die - über die Altorientalische Musiktherapie hinausreichende - Frage, ob wir mit heutigen Meßverfahren die therapeutische Wirksamkeit rezeptiven "pharmakologischen" Musikhörens (nicht nur der Altorientalischen Musik) darzustellen vermögen.
    Es gilt innerhalb der musiktherapeutischen community ein Bewußtsein gemeinsamer - schulübergreifender - Interessen in Forschung und Lehre zu entwickeln. Hier tragfähige Verbindungen in Form von Forschungs - und Lehrkooperationen zu bilden, ist ein Gebot der Stunde.
    Ebenso wichtig ist dem Autor, der "Altorientalischen Community" die Sorge zu nehmen, dass ein (auch) wissenschaftlich reflektierendes Herangehen an die Themenbereiche "Geistigkeit" und "Transkulturalität" das Wesen der Altorientalischen Musiktherapie gefährden könnten. Mit anderen Worten gilt es zwischen Methoden und einem individuellem Zugang zu diesen zu differenzieren. Während Methodenvermittlung ein wesentlicher Bestandteil der Ausbildung zum Altorientalischen Musiktherapeuten ist, bleibt der persönlicher Zugang zu den Methoden dem Studierenden und Praktizierenden überlassen. Somit kann die Vermittlung von Sufisms (im Sinne konfessionsgebundener Spiritualität) nicht Aufgabe eines Ausbildungsprogrammes an unserer Instition sein.
    Allerdings wäre Therapie ohne "Geist" ebenso seelenlos wie eine Wissenschaft, die sich der Inspiration verschliesst. Dennoch muss es unsere Aufgabe sein, in Europa einen Zugang zur Altrorientalischen Musiktherpie sicherzustellen, der - im religiösen Sinne - zwar nicht geistlos, wohl aber konfessionsfrei ist.
    Studierende wie Therapeuten sollen erkennen, dass Wissenschaft hier die Aufgabe zukommt, reflektiertes therapeutisches Handeln zu fördern, die Wahrnehmung eigener und fremder Gefühle zu schulen und die systematische Beschreibung therapeutischen Handelns zu ermöglichen. Auf diese Weise sollen dogmatische Einengungen aus "schulenspezifische Wahrheiten" verhindert sowie die Entwicklung neuer bzw. Vertiefung alter Thesen und Theorien gefördert werden. Dabei soll nicht Schulenzugehörigkeit, sondern die Bedürfnisse der Patienten im Zentrum unserer Überlegungen stehen.
    Dort wo keine Vielfalt (im Zugang und Verstehen) wachsen kann, entsteht "Einfalt". Daher ist Kremsers Ausspruch auch Motto für die berufliche Tätigkeitdes Autors:
    "Es war schon immer eine zentrale Motivation ... im Studium des Anderen, des Fremden, auch Entdeckungen über die menschliche Grundbefindlichkeit und damit auch über mich selbst, bzw. das Fremde in mir, zu machen - also kurz gesagt, über das Universelle das Partikuläre mit dem Partikulären zu verbinden, um dadurch die Einheit in der Vielfalt wahrnehmen zu können. Denn als Menschen sind wir gleichzeitig kulturspezifische Wesen und Angehörige derselben Spezies. Dieser Doppelnatur können wir uns nicht entziehen... "(Kremser 2001)

    Das pädagogische Konzept der Altorientalischen Musiktherapie - Ein Praxisforschungsprojekt zur Frage Spiritualität versus Wissenschaft Gerhard Tucek



    Zusammenfassung des Projekts:
    Dieses dreijährige Aktionsforschungsprojekt (1997 - 2000) befaßte sich mit den Entwicklungsprozessen der Lehrgänge für Altorientalische Musiktherapie (AM) im Zeitraum 1989 - 2000, wobei der Forschungsschwerpunkt auf den drei letzten Jahren des Prozesses lag.

    Anliegen dieses Projekts:
    Herausarbeitung verbindlicher Standards für die Lehre der Altorientalischen Musiktherapie (AM).

    Grundthesen der Arbeit:
    • Altorientalische Musiktherapie bedarf in ihrer europäischen Diaspora differenzierter und begrifflich übersetzbarer therapeutischer Sichtweisen und Lehrkonzepte, um sich in das hiesige Gesundheitssystem und in die bestehende Ausbildungslandschaft Musiktherapie integrieren zu können.
    • Spirituelles Erfahren der Welt und wissenschaftliches Forschen schließt einander nicht aus.


    Forschungsmethodik:
    Mittels teilnehmender Beobachtung des Autors wurden zunächst die - kulturell bedingten - unterschiedlichen Auffassungen hinsichtlich der Notwendigkeit dieses Vorhabens sowie des "wie" einer Bearbeitung dieser Aufgabenstellung erörtert.

    Darstellung des Projektverlaufs:
    Der vom (österreichischen) Studienautor vertretenen integrativen Haltung hinsichtlich der Einbringung orientalisch und europäisch geprägter Therapie- und Lehrauffassungen wurde eine Position gegenübergestellt, welche in dieser Haltung die Gefahr von Traditionsverfälschung der AM sah.
    Hieran wurden Fragen von "wissenschaftlicher Reflexion" versus "ganzheitlichem Sein" diskutiert.

    Der Autor beschreibt seinen inneren Prozeß und den damit einhergehenden äußeren Wandel in der von ihm geleiteten Institution von einer anfänglich "konfessionellen" Haltung (im Sinne einer Bindung der AM an das Sufitum) zu einer Sicht, welche derartige verpflichtenden Bindungen zugunsten anderer (auch westlicher) Zugangsweisen suspendiert. Gleichzeitig reflektiert und argumentiert er anhand von Texten des zeitgenössischen Mystikers und Wissenschaftlers Teilhard de Chardin seine Haltung, die mystische Welterfahrung nicht zwingend in Widerspruch zu wissenschaftlichen Erklärungsmodellen von Wirklichkeit stellt.

    Vor dem Hintergrund seiner schrittweisen Erschließung einzelner klinischer Bereiche (Neurologie, Kardiologie, Geriatrie, etc.) argumentiert er die Notwendigkeit, die Konzepte der AM im Kontext ihrer gegenwärtigen räumlichen und zeitlichen Anwendung (in Europa) weiterzuentwickeln.

    Auswirkungen des Forschungsprojektes auf die pädagogische Praxis der Lehrgänge:
    • Organisatorische Neustrukturierung der Lehrgangsangebote
    • Entwicklung eines neuen Lehrkonzeptes ausgehend von den praktischen Erfahrungen mit dem Hochschullehrgang - Pilotprojekt für Altorientalische Musiktherapie.
      Dieses orientiert sich an dem Modell des "kompetenten Altorientalischen Musiktherapeuten" und fußt auf der Verbindung zweier Grundideen.
      Grundideen:
      • Im Bereich der Musikvermittlung folgt sie einem orientalischen personalen Lehrer - Schüler Konzept. Dieses pädagogische Konzept ist mit den Ideen Martin Bubers vergleichbar.
      • Im Bereich der Vermittlung von wissenschaftstheoretischen und therapeutischen Lehrinhalten folgt sie einem westlich geprägten Modell, nach welchem der Student vom "ersten Wissen" zu immer komplexeren Formen altorientalischer und westlich kreativtherapeutischer Kompetenzen fortschreiten soll.

    Diskussion:
    Das neue Lehrmodell fußt auf neueren anthropologischen Erkenntnissen und der Tatsache sich immer mehr auflösender geographischer Horizonte.

    Studierende werden hier als offenes System (Individuum) in einem offenen Existenzbereich (Lebensraum) betrachtet. Damit entziehen sie sich allerdings jedweder strikten Operationalisierbarkeit.
    Menschliches Denken und Handeln wird als dynamisch und damit nicht mehr als 1:1-Übersetzung von Weltanschauungen verstanden.

    Der persönliche Wandlungsprozeß der Studenten im Zuge des Lehrgangs wird in innerhalb der Ausbildung nunmehr vorgesehenen gemeinsamen Feedback-, Austausch- und Reflexionsphasen bearbeitet und auf mögliche Auswirkungen auf die therapeutische Kompetenz, Arbeitsweise sowie die eigene Menschen- und Weltsicht überprüft.

    Der Autor vertritt die These, daß sich kreatives Gestalten und sinndeutendes Wahrnehmen im Therapie- und Lehrprozeß als wesentliche Kategorien menschliches Lebens nicht mehr auf eine einzelne Therapiemethode eingrenzen lassen.
    Dies muß demnach auch besonders für die Studierenden der AM gelten. Die Entwicklung dieses Bewußtseins gehört zu den entscheidenden Zielen des Lehrgangs im Sinne von Selbsterfahrung und Selbstentfaltung Ebenso wichtig ist die Entwicklung von Kompetenz zur Diagnostik, Entwicklung therapeutischer Pläne und konkretes therapeutisches Handeln.
    Diese Kernkompetenzen sind auch Gegenstand einer didaktischer Reflexion.

    Die nunmehr angestrebten Ziele der Lehrgänge für AM lauten:
    • Vermittlung eines in der Musik- und Medizingeschichte bislang einmaligen in sich geschlossenen, praxisbezogenen musiktherapeutischen Lehrsystem auf Hochschulebene.
    • Vermittlung wissenschaftlicher Grundlagen und spezifischer musiktherapeutischer Methodik der AM sowie Einführung in gegenwärtige musiktherapeutische Entwicklungen westlicher Modelle.
    • Die Fähigkeit - unter Berücksichtigung des aktuellen Krankheitsgeschehens innerhalb westlicher Gesellschaften - wissenschaftlich begründete und effiziente Therapiepläne auf den Grundlagen der AM konzipieren und durchführen zu können.
    • Ausbau von Initiativen zur Völkerverständigung und Friedensarbeit.
    • Beitrag zur Bewahrung und Pflege von außereuropäischem musikalischen und musiktherapeutischem Erbes sowie der Integration dieses Erbes in den hiesigen Kulturraum.
    • Beitrag zur kulturellen Integration türkischer Population im deutschsprachigen Europa durch die Heranbildung kompetenter Therapeuten und durch kulturelle Vermittlung.


    Conclusio:
    • Dieses neu entwickelte didaktische Konzept impliziert aus der Sicht des Studienautors keineswegs den zuvor befürchteten Traditionsbruch, sondern ermöglicht den Studierenden vielmehr eine authentische Verankerung der Ideen und Konzepte der AM in der jeweiligen Persönlichkeit und der AM ihren Weiterbestand in der europäischen Diaspora.
    • Die im Titel der Arbeit gestellte Frage nach "Spiritualität versus Wissenschaft?" wird im Sinne von "sowohl als auch" beantwortet.
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